Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat.“ In einem Pappkarton mit Abzeichen, Schulterstücken und viel Papier lag auch eine kleine Urkunde, 50 Jahre alt, zu meinem DDR-Sportabzeichen in Silber mit diesem Motto. Heute hört man: Das Wort „Heimat“ repräsentiere eine „rückwärtsgewandte Sehnsucht“, man solle es dem „rechten Rand überlassen“. Was die Heimat zur DDR-Zeit zu sein und wo sie zu enden hatte, bestimmte eine tödliche Grenzanlage. Wer sagte, ohne Freiheit gäbe es keine Heimat, der galt damals als Faschist. Wer sagt: Mein Land hört auf, meine Heimat zu sein, der gilt heute als Nazi. Weil er das verbotene Wort „Heimat“ ausspricht.

Diese Zensurversuche werden scheitern: Die Wortverdreher scheiterten 1989 mit ihrem sozialistischen Heimatbegriff. Und die Wortverbieter scheitern heute mit ihrem Inquisitionsgehabe. Niemand kann den Menschen Bilder aus Kopf und Herz radieren, mit denen die Welt ihnen von Kind an begegnet ist, ihnen verbieten, dies Heimat zu nennen.

In meinem Fall etwa die beiden Kirchenglocken in Steinsdorf bei Weida. Ich habe sie als Kind geläutet, mit Max zusammen, ihren Klang höre ich unter allen Glocken der Welt heraus. Niemand wird mir die Gänsehaut austreiben, wenn ich sie höre und die Landschaft sehe, die es vor mir gab und nach mir geben wird; die Bäume, die ich vor 50 Jahren veredelt habe; die Häuser, die ich seit sechzig Jahren kenne. Die Sirene, die ich am 26.12.1962 hörte, und das brennende Nachbarhaus. Der Friedhof, auf dem früher Granitgräber flach im Gras lagen: von im Steinbruch in den Brecher Gefallenen. Und wo in neuen Gräbern meine Eltern liegen.

Ich hoffe inständig auf neue Familien und neues Leben im Dorf. Ihre Sprache und ihre Hautfarbe spielen keine Rolle. Ich erwarte aber Respekt vor dem Vorgefundenen: vor der Arbeit meiner Eltern und Großeltern, vor unserem Dialekt, unseren Empfindungen und Gewohnheiten. Dann werde ich Respekt vor dem Neuen haben. Ihre Kinder werden das Dorf ihre Heimat nennen; und wie ich Mitleid habe mit Menschen, die mit diesem kostbaren Wort nichts anzufangen wissen.

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