Die Ost-Schüler hatten auf eine entsprechende Prüfungsfrage wie folgt zu antworten: „Der Wert einer Ware besteht in der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit, die zu ihrer Herstellung erforderlich ist.“ Andernfalls gab’s Ärger. Denn der Satz stammte von dem Mann auf unserem Hundertmarkschein. Karl Marx.
Und dessen Lehre sei allmächtig, lehrte man uns, weil sie wahr sei. Aber 1990 kam heraus, dass eine Ware doch nur so viel wert ist, wie jemand bereit ist, für sie zu zahlen; und dass niemand unsere Waren brauchte; und wir froh sein konnten, dass der Westen die allmächtigen Lehren in den Wind geschlagen hatte, weil es heute sonst mau aussähe für die Renten derer, die uns das damals alles einbläuten.
1980 hatte Sachsen, einst der Motor Deutschlands, nicht mal mehr die Wirtschaftskraft von Sizilien. Im Westen hat das dem Respekt vor Karl Marx, dem geistigen Vater dieser Misere, nicht geschadet. Auch das vorzügliche von meinem Mitkolumnisten zur Linken vollgesprochene Hörbuch „Marx & Engels intim“, in dem Marx/Engels über das „Völkerkehricht“ auf dem Balkan philosophieren, berührt den sonst so moralbewussten Westen offenbar nicht. Ein Linker darf das. Die Autonomen erlauben es.
Sofern sich keine Buntmetallräuber dafür interessieren, wird nun ein riesiges Bronzedenkmal enthüllt. In Trier. Mit dem Gesicht des großen Sohnes der Stadt. Peinlich ist nur, dass die Trierer sich das schenken lassen mussten. Von ihren chinesischen Freunden.
Und die verdanken Marx viel: Er hat ihnen klargemacht, welche ungeheure Wirtschaftskraft man entfesselt, wenn man dem Kapitalismus seinen Lauf lässt und sicherstellt, dass nicht irgendwelche Proletarier sich da einmischen. Und endlich kann nun sogar der chinesische Genosse seine Lustreise nach Paris geschickt durch einen Besuch in Trier tarnen; und dabei den armen Trierern etwas Geld hinwerfen.
Aber Geld sollte nicht alles sein! Ganz marxistisch wäre es erst, wenn die Trierer nicht nur von den reichen Chinesen, sondern auch von den armen Ossis ein Geschenk annähmen. Und das liegt längst bereit! Für wen, wenn nicht für Trier haben wir uns in Sachsen von dem Namen Karl-Marx-Stadt getrennt?!