Was nach Ansicht von Kolumnist Arnold Vaatz (CDU) die Atomkatastrophe von Fukushima 2011 und der verheerende Hochhausbrand in London 2017 miteinander zu tun haben
Am 11. März 2011 traf ein Tsunami auf die japanische Ostküste. In den Wassermassen starben fast 16 000 Menschen. Im Kernkraftwerk Fukushima, das für einen Tsunami keine ausreichende Schutzmauer aufwies, fielen die Kühlsysteme aus, es kam zu einer Kernschmelze. Deutschland reagierte mit der Abschaltung von acht Kernkraftwerken und zog die Stilllegungen der anderen auf maximal 2022 vor.
Mittlerweile ist auch die Nuklearmedizin unter Beschuss, und die Grünen wollen die Kernforschung an den Universitäten einstellen. Bis heute hat es in Fukushima keinen Todesfall durch Verstrahlung gegeben. Die Weltgesundheitsorganisation ermittelte für die Bewohner des Umlands der Reaktorruine das Krebsrisiko. Ergebnis: Ein erhöhtes Risiko ist statistisch nicht nachweisbar. Wer diese Nachricht erfreulich findet, wird jedoch in Deutschland in aller Regel sofort scharf attackiert. Er setzt sich dem Verdacht aus, am Feindbild „Kernkraft“ rütteln zu wollen. Claudia Roth von den Grünen schob sogar einfach die Tsunami-Toten dem Reaktorunglück unter. Alternative Fakten sind also keine Spezialität von Trump.
Die Praxis, Überlebensnachrichten auszublenden, weil sie der angeblich falschen Sache dienen, entspricht der Praxis, Todesnachrichten auszublenden, wenn sie die angeblich richtige Sache gefährden. In Duisburg- Meiderich forderten letztes Jahr unsere Vorschriften zur klimarettenden und damit uneingeschränkt positiv zu beurteilenden Gebäudedämmungen die ersten Todesopfer. Vom Erdgeschoss des viergeschossigen Hauses aus war ein Brand „wie an einer Zündschnur“ (O-Ton Feuerwehr) an der Fassade bis zum Dach geklettert. Eine Frau und ihre zwei Söhnen starben, es gab 27 Verletzte, das Medieninteresse war gering. Nun sahen wir die Bilder vom brennenden 24-geschossigen Londoner Grenfell Tower. Unten war ein Kühlschrank in Brand geraten. Wieder raste das Feuer über die Dämmstoffe an der Fassade nach oben. Es gab bisher 79 Tote. Inzwischen evakuiert man in London ein Hochhaus nach dem anderen. Man spricht über vernachlässigten Brandschutz und verstellte Fluchtwege. Aber wenn ein Haus in brandbeschleunigendem Sondermüll verpackt ist, brennt es auch bei freien Fluchtwegen.
Die Kritik am Wärmedämm – Hype erstreckt sich also nicht mehr nur auf Algen an den Außenwänden, Schimmel in den Wohnräumen und Entsorgung als Sondermüll. Es geht darum, ob solche Katastrophen Ausnahmen bleiben oder zum Alltag werden. Denn auch bei uns nimmt man als Dämmstoff bis zu einer Höhe von 22 Metern – also fast überall – vorzugsweise Polystyrol.