Arnold Vaatz kritisiert die Leiter der Studie als voreingenommen und die Datenbasis als
lächerlich.
Sachsen hat ein Problem mit Rechtsradikalismus (und mit Linksradikalismus, aber das ist medial leider uninteressant). Und Thüringen hat ein solches Problem. Und Nordrhein-Westfalen. Also: ganz Deutschland. Das muss wissenschaftlich untersucht werden. Was auch geschieht: etwa vom Psychiater Maaz oder von den Politologen Jesse und Patzelt.
Frau Staatssekretärin Gleicke (SPD) war das zu wenig. Sie beauftragte ihren Parteifreund Dr. Franz Walter, für ungefähr 130 000 Euro eine Studie vorzulegen zum Rechtsradikalismus in Ostdeutschland. Gemeint war: Sachsen und Thüringen. Einleitend wurde die Forschungsgeschichte wie folgt zusammengefasst: „Die Befragten aus den neuen Bundesländern unterscheiden sich untereinander nicht im Hinblick auf das Ausmaß ihrer Fremdenfeindlichkeit. Allerdings sind sie insgesamt deutlich fremdenfeindlicher eingestellt als die interviewten Personen in den alten Bundesländern.“ Dies stand also von vornherein erst mal fest. Nun führte das Walter-Team angeblich 40 meist anonymisierte Interviews, darunter mit einem „führenden Mitarbeiter“ der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung namens „Reese“ und einigen linken Politikern.
Auf dieser lächerlichen Datenbasis schloss das Walter-Team, dass die 16 Millionen Ostdeutschen, vor allem die Sachsen, besonders rechtsextrem seien. Rechtsextremismus äußert sich in gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF).
Das Walter-Team sagt: „Den Fixpunkt bildet das Bekenntnis zur Nation, weshalb diejenigen Bevölkerungsgruppen, die eine hohe Zustimmung zu den GMF-Indikatoren äußern, auch einen hohen Nationalstolz aufweisen.“ Sprich: Wer die Nationalhymne singt, ist zwar noch nicht automatisch rechtsradikal, zählt aber für diese Gutachter offenbar zur Risikogruppe.
Aber keine Angst: Antilinks ist nicht gleich rechts. Wem sich der Magen umdreht angesichts der bigotten Überheblichkeit, der belehrenden Besserwisserei und der Verachtung, die einem seit Otto Schilys Banane von 1990 von der westdeutschen Linken entgegenstinkt, ist nicht notwendig ein Nazi. Aber die Rechten bekämen Zulauf, würde das Opus trotz des verschwurbelten Deutschs, indem es verfasst ist, im großen Stil gelesen. Nicht weil die Ostdeutschen alle rechts wären: Sondern weil sie angesichts solcher Schläge ins Gesicht immer weniger bedenken, was sie anrichten, wenn sie wirkliche Rechtsradikale stärken.