Warum Arnold Vaatz darüber empört ist, dass Edmund Stoiber Putin umarmte
Einen Rest der Berliner–Mauer ziert ein Bild: Honecker küsst Breschnew. Nun wäre ein zweites fällig: Stoiber umarmt Putin. Ich bin Edmund Stoiber dankbar für seine Hilfe beim Neuaufbau in Sachsen. Und ich war ihm freundschaftlich verbunden. Bis zu dieser Umarmung.
Laut Putin war die größte geopolitische Katastrophe des letzten Jahrhunderts der Zerfall der Sowjetunion. Demnach wäre die größte geopolitische Aufgabe nun die Wiederherstellung derselben. In der Ukraine läuft das schon auf Hochtouren. Das ist zwar bisher nicht so ganz geglückt, denn die mit Kampfanzügen bekleideten. bis an die Zähne bewaffneten russischen Urlauber wurden nicht mit Brot und Salz empfangen, sondern mit Kugeln. Die Ukrainer erinnern sich nämlich, dass es fünf bis acht Millionen Menschen gewesen sein dürften, die durch die Moskauer Machthaber in der Ukraine ihr Leben verloren. Die meisten im Holodomor 1932 und 1933. Aber auch vorher und nachher. Die Krim hieß in den 20ern „allrussischer Friedhof“. 120000 Menschen haben die Roten dort getötet. Stalins Großem Terror fielen viele ukrainische Intellektuelle zum Opfer. Nach dem Hitler- Stalin-Pakt marschierten die Sowjets in der Westukraine ein, deportierten viele in Gulags. Und auch der letzte sowjetische Dissident. der dort umkam, war ein Ukrainer, der Dichter Wassyl Stus, 1985, in einer Kältezelle am Ural. Da wir mit der Aufarbeitung des Holocaust vollauf beschäftigt sind, geht uns das zwar nichts an. Aber es war so.
Nun braucht Putin Stoiber. Er soll im Westen allen in den Rücken fallen, die den russischen Vormarsch verzögern. Und im bitterarmen Bayern erfordert dies einfach die Auftragslage. BMW! Linde! Siemens! Und die Gastronomie träumt von Schankerlaubnissen: auf dem Meer überm Nordpol Weißwurst mit süßem Senf und Hefeweizen auf weiß-blauen Bierdeckeln.
Schade, dass die Bayern 1945 durch die Amis befreit wurden und nicht durch die Rote Armee. Dann hätte Putin zwar noch mehr Anhänger (wie in Ostdeutschland). Aber auch noch viel mehr Gegner (wie in Ostdeutschland). Denn weil man die EU im Osten nicht mehr nur zum Heulen, sondern schon zum Lachen findet, wenden sich viele aus alter Gewohnheit Russland zu. Die einen, weil sie es gut fanden, unter russischer Aufsicht Macht ausüben zu dürfen. Die anderen, weil sie wissen, dass jede Reizung der Russen einen mörderischen Krieg bedeuten kann, in dem die Nato wie eine Wandergruppe auseinander-gejagt würde. Aber stünde sie morgen an, die neue russische Epoche, der Osten leerte sich noch schneller als 1989.
Und genau dies kündigt die Umarmung den Ukrainern doch an: Lasst alle Hoffnung fahren. Freund Putin wird euch kassieren, und wir liefern ihm, was er dafür braucht. Und wenn euch das nicht gefällt, die russische Feuerwalze aber weiterrollt, liebe Ukrainer: Packt’s halt eure: Koffer, und kommt’s alle nach Bayern!