Auch wenn die Wahl schon entschieden ist: Arnold Vaatz hat noch einige Fragen

Die Bundespräsidentenwahl ist entschieden, bevor die erste Stimme abgegeben ist. Ob das Ansehen unserer Demokratie dadurch in den Himmel wächst, steht auf einem anderen Blatt. Aber davon mal abgesehen: An welchen Maßstäben wird der neue Präsident wohl zu messen sein? Nun: Er muss den Vergleich mit seinen Vorgängern aushalten; zum Beispiel mit Joachim Gauck.

Vom parteilosen Gauck, Favorit der Grünen, wird in die Geschichte eingehen, dass er genau den umjubelten  Satz, mit dem sein Vorgänger Christian Wulff, CDU, in die Geschichte eingegangen ist, einfach zurücknahm: Wulffs Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ machte er sich – O-Ton Gauck – „nicht zu eigen“.

Hundertmal leichter wäre es gewesen, die Wulff’sche Meinung zu wiederholen. Die evangelische Kirche wäre entzückt gewesen. Man  hätte ihn für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Hat er aber nicht gemacht. Obwohl er doch, könnte man meinen, besser als mancher andere den Wert von Religionsfreiheit zu schätzen weiß. Denn eingeschränkte Religionsfreiheit kennt er ja von früher.

Aber wollte Gauck wirklich die Religionsfreiheit antasten? Der Freiheitspräsident? Natürlich nicht! Jede Religion gehört zu Deutschland, sobald sich bei uns jemand zu ihr bekennt. Hinduismus, Buddhismus, Animismus, alle. Nein: Gauck hat eine Frage aufgeworfen. Sie lautet: Ist der Islam nur eine Religion? Oder ist er etwa auch ein konkurrierendes Rechtssystem? Gar eines, das die Religionsfreiheit nutzt, um sie abzuschaffen, sobald muslimische Mehrheiten existieren? Oder täusche ich mich? Sind die islamisch dominierten Staaten von Marokko bis Pakistan – in denen genau dies geschieht –vielleicht alle unislamisch?

Und woher schöpft man eigentlich hierzulande die Kraft, jeden Menschen der Islamophobie und des Rassismus zu bezichtigen, dem anhand abgeschnittener Köpfe in Nahost bange wird? Wissen deutsche Welterklärer besser als  die Muslime selbst, was den wahren Islam ausmacht? Haben sie’s in alten Büchern gelesen? Der Hadith ist eine Sammlung von Aussprüchen des Propheten. Zum Thema Religionsfreiheit heißt es da: „Wer seine Religion wechselt, dem schlagt den Kopf ab.“ Im „bösen“ Christentum gibt es diese Denke seit immerhin 300 Jahren nicht mehr.

Jede Religion ist bei uns willkommen – als Religion. Keine Religion hat bei uns etwas zu suchen – als konkurrierendes Rechtssystem. Und vom neuen Bundespräsidenten wünsche ich mir eines nicht: dass er in die Geschichte eingeht durch die Zurücknahme der Zurücknahme das Wulff’schen Satzes. Nicht bevor die Fragen beantwortet sind, die Joachim Gauck aufgeworfen hat. Aber wen Antworten darauf nicht interessieren oder wer sie begründungsfrei vorwegnehmen will, wird allerdings genau dies von ihm fordern.

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