Wie Arnold Vaatz rechtfertigt, dass Ost- und West-Rente erst 2025 angeglichen werden

Die Vereinigung der gesetzlichen Rentensysteme nach 1990 war ein dickes Brett. Im Westen galt das Äquivalenzprinzip. Wer mehr Geld in die Rentenkasse zahlt, hat später eine höhere Rente. Der Rentenbeitrag bemisst sich nach Arbeitseinkommen. Im Osten gab es einen Dschungel aus Sonderregelungen, der am Ende auch darauf hinauslief – aber auf viel geringerem Niveau. Man wollte die Ostler nicht für die jahrzehntelang geringeren Löhne büßen lassen. Deshalb wertete man deren Anwartschaften für jedes Arbeitsjahr seit 1949 hoch: für manche Jahre mit dem Faktor 3,3. Damit bekam ein Durchschnittsverdiener Ost genau wie ein Durchschnittsverdiener West für 40 Arbeitsjahre 40 Rentenpunkte.

Punktzahl mal aktuellem Rentenwert gibt dann mit 65 die Monatsrente. Hätte man nun Anfang der 1990er-Jahre im Osten für diese Rechnung den aktuellen Rentenwert West verwendet, dann hätten Rentner plötzlich ein weit höheres Einkommen gehabt als aktiv Berufstätige. Deshalb berechnete man einen separaten aktuellen Rentenwert Ost. Dieser war gegenüber dem West-Wert so weit geringer, dass sich auch im Osten ein gerechter Abstand der Rente zum aktiven Arbeitslohn ergab.

Damit zählten die ostdeutschen Rentner zu den Gewinnern der Wiedervereinigung. Und die aktiv Tätigen überforderte es nicht. Mit steigendem Ost-Lohn näherte sich der aktuelle Rentenwert Ost dem West- Wert an. Er erreichte dieses Jahr 28,66 Euro und lag damit nur noch 1,79 Euro niedriger als im Westen. Weil der Ost-Lohndurchschnitt noch immer geringer ist als der des Westens, werden die Ost-Rentenpunkte auch weiter hochgewertet: Für ein West-Durchschnittsgehalt gibt es einen Punkt, für ein gleich hohes Gehalt im Osten 1,148 Punkte.

Der Koalitionsvertrag von 2013 – wie schon die vorausgegangenen – verheißt nun eine „Rentenangleichung“ Ost- West. Die Erwartung gegenwärtiger Rentner auf höhere Bezüge war nun abzuwägen gegen die Reduzierung der Ansprüche künftiger Rentner, die weniger an Zahl sein werden, unterbrochene Erwerbsbiografien haben und die Bezüge der heutigen Rentner erarbeiten müssen.

Wir gingen einen vernünftigen Mittelweg: Die Angleichung kommt nicht auf einen Schlag, sondern in Acht-Jahres- Schritten – bis 2025. Die Differenz der Rentenwerte Ost-West wird dann um etwa 20–25 Cent pro Jahr abgebaut. Dies hätte die Rentenformel ohnehin getan, wenn die Löhne steigen. Stagniert aber das Lohnniveau Ost, so wachsen die Renten trotzdem weiter. Die Hochwertung sinkt um 0,02–0,03 Punkte pro Jahr. Auch dies liegt im Rahmen des auch ohne politische Eingriffe Erwartbaren für künftige Rentner. Nur: Wenn über viele Jahre der Lohnabstand von Ost zu West konstant bleibt oder größer wird, dann wären die Rentner von morgen die Geprellten. Arbeiten wir also daran, dass es so nicht kommt.

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