Warum Arnold Vaatz Trumps Wahlsieg für einen Weckruf für die Deutschen hält

Vor Parteitagen treffen wir Delegierten uns stets zum Gottesdienst. Kürzlich sangen wir da: „Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit“. Vier Tage später, um sechs Uhr früh, stand Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika fest. Und die Christenheit war hellwach.

Er hatte die politische Korrektheit in die Tonne getreten. Das war sein Schlüssel zum Erfolg. Viele Wähler widert inzwischen nichts mehr an, als die Selbstzensur der Narzissten: Reden vom Typ Clinton, bei denen jedes Kind merkt: Das sind ertüftelte Regieprodukte von PR-Agenturen. Sie kommen nicht vom Herzen. Die deutschen Medien täuschten vor, über die Welt zu berichten, präsentierten aber nur ihr vorhersehbares Wunschdenken und lagen damit – wie gewöhnlich – daneben. Sie hatten einen 1-A-pro- Clinton-Wahlkampf hingelegt, und nur vergessen, dass Clinton nicht in Deutschland, sondern in Amerika zur Wahl stand.

Ich mag Clinton nicht, hatte aber trotzdem auf sie gehofft; weil Trump- Amerika zu Europa leise „Servus“ sagen könnte; wirtschaftlich ist der pazifische Raum für die USA interessanter als Europa und in puncto Sicherheit ist ihr ihre eigene Südgrenze zu Mexiko näher als der Nahe Osten. Und überhaupt: Im Zweiten Weltkrieg starb eine halbe Million junger Amerikaner. Dann päppelten die USA ihren  geschlagenen Kriegsgegner auf. Sie schützten ganz Westeuropa vor dem Sowjetsystem. Dies und nur dies ermöglichte dem Westen Demokratie. Und Wohlstand, wie ihn Europa noch nie gesehen hatte. Als der Ostblock zusammenbrach und mittellos vor der Tür stand, hatte der Westen sogar die Kraft, ihm aufzuhelfen. Zum Dank hatten die 68er die Amis längst zum Welt-Hassobjekt Nummer Eins aufgebaut. Das durch amerikanische Flieger in Stalins Belagerungsring vor dem Hungertod gerettete und von amerikanischen Soldaten vor der Übernahme geschützte Westberlin wurde zum Fluchtpunkt für wehrunwillige Deutsche. Was soll man  anfangen mit solchen Freunden? Das wahrnehmungsgestörte Europa sägt an dem Ast, auf dem es sitzt. Trumps Wahl ist ein leises Knacken im Holz, das anzeigt: Es ist bald geschafft! Die Säge ist gleich durch.

Die Grünen sind erschrocken, klar: Trump will ja ihre Klimakatastrophe von der Tagesordnung streichen. Doch ihr Müsli wird er ihnen schon lassen. Was aber haben die Linken gegen ihn? Sie müssten doch eigentlich begeistert sein: Das böse TTIP stirbt doch nun! Was die Amis heute teuer in Europa kaufen, bauen sie morgen selber. Auch die Kumpanei mit der verhassten NSA ist Geschichte! Und vielleicht geht dank Trump sogar die bei der Linkspartei so verhasste „aggressive“ Nato den Bach runter! Trump wird doch  unsere Verteidigungsministerin nicht weiter schockieren. Er wird aussteigen. Übrig bleibt ein Haufen aus kampfunfähigen Schützenvereinen. Die Russen biegen sich vor Lachen und stellen ihre alten Einflusszonen wieder her: Vom Baltikum bis Bulgarien flieht alles was Beine hat in unsere Willkommenskultur. Wo Putins Leute schon auf sie warten. Auf Schalke in der VIP-Lounge.

Vielleicht betteln wir die Amis dann eines Tages an, wieder lieb zu uns zu sein, und beschließen gar im Bundestag, dass die vom Überläufer Snowden mitgeteilten NSA-Praktiken doch ganz okay sind. Doch dann wird Trump vielleicht abwinken und sagen, wir sollten doch statt der NSA den russischen Geheimdienst fragen, ob sich gegen uns was zusammenbraut.

Aber vielleicht hat Trump alles doch nicht so gemeint. Oder der Washingtoner Filz lässt ihn am langen Arm verhungern. Dann bleibt vieles, wie es ist. Und wir dürfen noch ein paar Jährchen weiter an unserem Ast sägen.

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