Arnold Vaatz nimmt die Schulpolitik ins Visier und erklärt, was er an den Schulen in der DDR gut fand
Die Schule hat wieder angefangen. In der Bildungspolitik heißt es oft: mehr Geld gleich bessere Bildung. Aber gilt das auch? Das zweitmeiste Geld pro Schüler und Jahr in Deutschland gibt die Hansestadt Hamburg aus. Bei den Lernergebnissen steht Hamburg trotzdem auf dem vorletzten Platz. Sachsen steht bei den Ausgaben pro Schüler an sechster Stelle und hat deutschlandweit die besten Lernergebnisse. Also: So richtig scheint dieser Automatismus wohl nicht zu wirken. Es kommt schon noch darauf an, wie Lehrer, Schüler und Eltern an das Thema herangehen. Und hier liegt das Problem.
Die vom Geist der westdeutschen Alt-68er inspirierte Lehrerschaft hat im Westen leider ganze Arbeit geleistet, besonders in den Stadtstaaten. Der Leistungswille der Kinder wurde nicht herausgefordert, sondern stigmatisiert, und das Urteilsvermögen ideologisiert. Kumpelei und Duzerei zwischen Schülern und Lehrern hielten Einzug und kosteten die Lehrer die Autorität. In der Odenwaldschule ging man sogar noch etwas weiter in Sachen „Modernität“ und Abkehr vom „Mief“ der Vergangenheit.
Im Osten hörten wir in der Schule zwar tonnenweise Klassenkampf-Müll, aber wenn man das löschte, blieb allerhand Wissenswertes übrig. In Naturwissenschaft und Sprache gab es nämlich nichts zu beanstanden. Kopfnoten gab es. Und Leistungswettbewerb statt Datenschutz für die Faulen. Und das war gut so. Nur wütet nun leider auch schon im Osten Deutschlands der Irrglaube, alle Schwächen von Schülern seien auf Erziehungsdefizite zurückzuführen. Oder auf eine soziale Schwäche der Eltern. Und gar niemals auf naturgegebene unterschiedliche Fähigkeiten der Kinder.
Das mit den sozialen Schwächen der Eltern stimmt zwar: Man darf nicht zulassen, dass allein der Geldbeutel die Zukunft der Kinder bestimmt. Nur: Die Einbildung, der Staat könne elterliches Versagen generell wettmachen, ist utopisch. Die Gesellschaft selbst muss etwas dafür tun, dass dies nicht zur Mode wird: Eltern, die sich auch in schwierigen Lagen um ihre Kinder mühen, brauchen Anerkennung. Und solche, die sich nicht darum scheren, müssen wirksam an ihre Pflichten erinnert werden. Sie einfach als „bildungsferne Schichten“ abzubuchen und damit zu entschuldigen ist ein miserabler Dienst an den Kindern.
Und die Mär von den gleichen Fähigkeiten aller Kinder? Sie ist die Rechtfertigung mancher Eltern für zügellosen Ehrgeiz, mit dem sie Lehrer terrorisieren und nebenbei leider auch den Leistungs- und Lebenswillen ihrer Kinder zerstören. Nein: Wir müssen wohl akzeptieren, dass es unterschiedliche Befähigungen gibt – und darauf vorbereitet sein. Und übrigens: Einfachere Berufe haben die gleiche Würde wie hoch qualifizierte. Sagt das Grundgesetz.