Arnold Vaatz sieht die Führungsquerelen in der AfD als Möglichkeit für die großen deutschen Parteien, Protestwähler zurückzugewinnen, wenn …

Am 13. März räumte die AfD ab: In Sachsen-Anhalt siegte sie in fast allen südlichen Wahlkreisen und wurde mit nur fünf Prozent Differenz hinter der CDU zweitstärkste Partei. Im Westen, der sich immun gegen die vermeintliche „Ost- Krankheit AfD“ wähnte, zog sie zweistellig in die Landtage von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ein. Dabei war sie erst ein Jahr zuvor nahezu unisono von den Politologen totgesagt worden, nachdem sie sich gespalten hatte: Der Parteigründer Lucke war ausgetreten und hatte eine neue Partei namens ALFA gegründet.

Jetzt kracht es wieder. Wieder trennt sich ein Führungsduo. 13 Mitglieder verlassen die ursprünglich 23 Personen starke AfD-Fraktion im Stuttgarter Landtag. Läutet damit das Totenglöcklein der AfD? Nichts wäre dümmer, als das zu glauben. Es wird eine Talfahrt für die Partei in den Umfragen geben, aber dann wird sich zeigen: Führungsqualität, innerparteilicher Zusammenhalt – das waren  nicht die Kriterien für den politischen Erfolg dieser Partei. Der Erfolg der AfD kam durch verloren gegangenes Vertrauen in die Führungskompetenz von CDU und SPD. Hinzu  kommt ein von den Medien mehrheitlich ausgehender Konformitätsdruck, der von vielen Menschen als unerträglich empfunden wird. Das Management und die Kommentierung von Griechenland- Krise, Energiewende und Flüchtlingskrise haben viele Wähler zornig gemacht.

Allerdings wird das Lager der AfD-Wähler jetzt nachdenklicher: nicht wegen der Chaos-AfD von Baden-Württemberg, aber wegen des Brexit-Referendums und seiner katastrophalen Folgen für die britische Gesellschaft. Die Börse spiegelt die Talfahrt der britischen Wirtschaft. Die ohnehin schon schlecht funktionierende Balance zwischen Süd und Nord in Europa erhält eine neue, gefährliche Unwucht. Und die Brexit- Matadore flüchten aus der Verantwortung. Das Fazit: Gewiss haben es die britischen Schwestern und Brüder der AfD – von der UKIP – dem Establishment mal so richtig gegeben. Nun schlägt allerdings der  bequeme Protest zum unbequemen Führungsauftrag um. Stanislaw Jerzy Lec schrieb dazu vor 55 Jahren: „Jetzt bist du mit dem Kopf durch die Wand. Und was willst du in der Nachbarzelle tun?“

In dieser Frage liegt eine Chance. Sie macht Menschen wieder ansprechbar, die mit der etablierten Politik gebrochen hatten. Wenn die großen deutschen Parteien diese Verunsicherung des antieuropäischen Protestpotenzials nutzen, wenn sie verlorenes Vertrauen wiederherstellen, wenn die gebührenfinanzierten Medien sich von ihrer sendungsbewussten Oberlehrerpose verabschieden, ja, dann wird die AfD ihre Zugkraft vielleicht verlieren. Sonst nicht.

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