Arnold Vaatz hält den Aufstieg von RB Leipzig für einen großen Gewinn

Es war im September 2014, als in der Düsseldorfer Esprit-Arena 35 000 schwarze Ponchos auslagen. Die Fans sollten sie sich überziehen, das ganze Stadion in Schwarz hüllen und damit ihre Trauer demonstrieren: die Trauer über den Tod des deutschen Fußballs. Denn zu Gast war RB Leipzig, als „Retortenclub“ und „Brauseverein“ verunglimpft, der zu diesem Tod zugehörige Mörder.

Nun steht fest, dass nach sieben Jahren wieder eine Mannschaft aus dem Osten Deutschlands in der 1. Bundesliga vertreten sein wird. Der Aufsteiger kommt nicht aus einem Nest in Nordbaden, das keiner kennt, sondern aus der großartigen, stolzen und geschichtsträchtigen Stadt Leipzig. Aus einer Stadt, die gemeinsam mit anderen sächsischen Städten vor 26 Jahren die Welt verändert hat: RB Leipzig. Und vom ersten Augenblick an schlägt dieser Mannschaft eine Lawine von Verachtung entgegen. Der Journalist Michael König sagt in einem Video der „Süddeutschen Zeitung“, diese Mannschaft sei „eine Gefahr für den deutschen Fußball“. Als Begründung dient ihm der Charakter des Vereins als Gründung der Firma Red  Bull.

Solange es um Westvereine ging, hörte man solche Kritik nicht: Wolfsburg als faktische Tochter von VW? Leverkusen von Bayer? Alles kein Problem! Die Symbionten Ingolstadt und Audi, Hoffenheim und SAP – kein Problem. Und Schalke,  der große Traditionsclub? Dessen Spieler müssen für 24 Millionen Euro pro Jahr als Feuerzeuge von Gazprom auf den  Fußballfeldern herumrennen – als Teil einer russischen Machtdemonstration, deren erster Teil zum Gelächter der ganzen Welt die Verpflichtung eines ehemaligen deutschen Kanzlers als Laufbursche war. Offenbar auch kein Problem.

Die Frage an sich, ob der deutsche Fußball in Gefahr ist, ist dabei durchaus berechtigt. Nur: Diese Gefahr kommt aus einer ganz anderen Ecke. Da sind prügelnde Hooligans, die regelmäßig Schneisen der Verwüstung auf dem Weg zwischen Bahnhöfen und Stadien zurücklassen, mit Flaschen und Böllern um sich werfen, sich krankenhausreif schlagen und astronomische Kosten für Polizeieinsätze verursachen.

Und da ist der FC Bayern München. Gratulation zum überlegenen Management und zur sportlichen Klasse! Aber seit dieser Club die Konkurrenz durch den Abkauf von Schlüsselspielern ausschaltet und dann deren Talent auf der Ersatzbank zerstört, ruiniert er Sport und Sportler.

Zum RB Leipzig kann man gefahrlos mit Familie ins Stadion gehen. Wie man sich prügelt, lernt man dagegen bei Stadionbesuchen bei Chemie Leipzig (links) und Lok Leipzig (rechts). Die RB-Vereinskonstruktion hält Hooligans von vornherein fern. Und aufgestiegen ist RB durch guten Fußball und nicht durch Zerstörung der Konkurrenz. RB ist also bestimmt keine Gefahr für den deutschen Fußball. Im Gegenteil.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung notwendiger Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen